Rückblick
in die
Geschichte der Spiegelauer Steinklamm Wirtschaft, Industrie
und Fremdenverkehr im 19. und 20. Jahrhundert zusammengestellt
von Fridolin Apfelbacher |
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Am Eingang zum
Naturjuwel Steinklamm
lag einst die pulsierende Lebensader von Spiegelau. Der Name Spiegelau
stand früher nur für die Glashütte und der
Spiegelaumühle (auch Wolfmühle genannt). Sie
gehörten
wie die angrenzenden Weiler Schwarzach, Klamm und Kränk zur
Gemeinde Oberkreuzberg, ab 1834 zur selbständigen Gemeinde
Klingenbrunn. Das Kränk unterhalb des „Gasthauses
zur
Steinklamm" mit Sägewerk von Johann Baptist Heiß
blieb in
der Gemeinde Oberkreuzberg, bis 1978 aus Klingenbrunn, Oberkreuzberg
und Pronfelden die Großgemeinde Spiegelau wurde. Wegen
der enormen Wasserkraft der Großen Ohe und des schier
unermesslichen Holzreichtums kam die Industrie in die Steinklamm.
Am
Anfang der Klamm (ab Straßenbrücke nach Pronfelden)
steht seit
1860 die stillgelegte, aber noch vorhandene
Rümeleinsäge, heute
Schustersäge. | Rümeleinsäge
zwischen 1900 und 1907
|
Spiegelauer
Mühle
um 1910. Im Bachgrund der Wehrrechen,
darüber
hölzerne Brücke nach Pronfelden.
Mühlenanlage und
Wohnhäuser wurden alle abgetragen. | Schräg
gegenüber, seit dem 15.
Jahrhundert gab es die verschwundene
Spiegelaumühle
(um 1870 gehörte die Mühle einem Josef Wolf), mit
einer
Wasserkraft-Turbinenleistung von 12 PS. Die Anlage war von der
jährlichen Staatl. Wassernutzungsgebühr
(Rekognitionsgebühr -
Anerkennungsgebühr) frei.
Der Mühlenbetrieb wurde
1910 eingestellt.
Während des Krieges 1914/18 wurde die
Triebwerksanlage beseitigt. Die
Landwirtschafts- und Wohngebäude der Mühle wurden
nach 1945 umgebaut
oder neu errichtet. (Elektroartikel Industrie, heute Fitnesscenter). |
1839
kauften Christian
Hatzinger aus Grafenau und Josef von Meiern aus
Klein-Dettau vom Bayerischen Staat Ödgrund in der
oberen
Klamm. Christian
Hatzinger erbaute einen neuen Eisenhammer. Daher der
Name Neuhammer. Der Eisenhammer bestand 49 Jahre und
fertigte
jährlich 600 Ztr. Schmiedeeisen
Da
Flussbäder
erfrischend und erquickend sind, errichtete
Hammermeister Kajetan Hatzinger neben dem Eisenhammer in der Ohe eine
Anstalt für Schlacken-, Fluss- und
Tannensprossenbäder
mit
einer "Traiterie" ( = kleines Restaurant).
Hatzinger
wurden
jährlich vom staatlichen
Forst
(1886) 300 Klafter Holz zugewiesen. |
Schon
vor 1890 hat man mit vielen Ansichtskarten der Steinklamm, Fabriken-
und Bachmotiven, erfolgreich Fremdenverkehrs-Werbung gemacht. | 1888
brannte der Eisenhammer zum Teil oder ganz nieder? Die
Wasserkraft
des Eisenhammers mit einer Turbine und einem Gefälle von ca.
8 m wurde 1890 von Ernst
Petzold übernommen.
Anmerkung
aus der
Hilzchronik:
Christian Hatzinger
gehörte das Gasthaus in Neuhammer, wo Anton Hatzinger, Sohn
des Eisenhammer Besitzers, völlig verarmt bis 1938 lebte und
auf Gemeindekosten beerdigt wurde. |
Josef
von Meiern aus Klein-Dettau errichtete ebenfalls 1839
unterhalb des
Eisenhammers Hatzinger ein Sägewerk. Die Meiernsäge
ging
später während der Stanglära (1842-1905),
als
Hütten- und Gutsbesitzer, in dessen Besitz über. Auch
diese
Wasserkraftanlage mit Nutzgefälle von einem Meter und 14 PS
Leistung blieb von der Anerkennungsgebühr frei.
Die
Stanglsäge
wird zwar in den Ortschroniken immer wieder
erwähnt, aber ohne Entstehung- und Standortsdaten. Nur aus
Auszügen der Wasserbenutzungserlaubnis und
Gebührenordnung
von Staatsgewässern der Regierung von Niederbayern, war zu
klären, dass es sich um die Nachfolge
der Meiernsäge
handelt. |
Vom
Bahndamm aus gesehen: Werksgelände des ehemaligen Eisenhammers
mit Meiernsäge und Holzwarenfabrik Petzold |

Im
Vordergrund vorherige Anwandtner
Sägehalle. Holzwarenfabrik,
Gasthaus, Arbeiterhaus, Meiernsäge. Links oben Villa Petzold | 1861
baute Florian Anwandtner aus Kempten
neben seiner
Werkzeugfabrik, zwischen Gasthaus und Sägewerk
von Johann
Baptist Heiß aus Kaufbeuren, ein drittes Sägewerk
in der Klamm.
Das Sägewerk
Heiß
wurde am 17. November 1865 niedergebrannt, wobei die Ehefrau und deren
3-jährige Tochter umkamen.
Der
Arbeiter Ferdinand Hilz aus
Riedlhütte
hatte beim Kartenspiel mit Valentin Wudi Streit, durchschnitt diesem
die Kehle und steckte die Fabrik in Brand, um den Mord zu vertuschen.
Nach ein paar Wochen Gefängnis gestand Ferdinand Hilz die Tat.
Er wurde
vom Schwurgericht in Straubing zum Tode verurteilt und mittels Fallbeil
enthauptet.
Es war die erste Hinrichtung mit dem
Fallbeil in Bayern.
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Sohn
Johann Martin Heiß verkaufte die Brandstätte an H.
Hofrat
Dr. Wildberger, Besitzer einer orthopädischen
Anstalt in
Amberg.
Am 20.08.1866 wurde Wildberger die Errichtung der Stau- und
Triebwerksanlage mit Wasserrad genehmigt. Mit
Wasserausleitungsgebühr von 25 Mark.
1866 errichtete Wildberger
eine
Zellstoff- und Pappenfabrik mit über 80
Beschäftigten. Jetzt steht dort das Wasserkraftwerk Luisenfels.
Wildberger
brachte seinen Mitbesitzer, Prokurist, Regierungs- und
Fiskalrat Wirth aus München und andere Angestellte aus Franken
mit, da nur diese mit dem Produktionsverfahren und den Maschinen
vertraut waren. Heiß
erwarb in Oberkreuzberg die Brauerei
Reicherseder. | 
Holzwarenfabrik
Petzold |
| Sägehalle
und Zellstoff-Pappenfabrik mit Brücke über die Ohe.
Rechts
hinter dem Baum das Herren- und Verwaltungsgebäude Wildberger. | 
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Die
Herstellung von Holzstoff
war eine große technische Erfindung
dieser Zeit. Es war sozusagen der „Kunststoff
des 19
Jahrhunderts". Aus Holz wurde Zellulose gewonnen, das man
zu
Papier, Pappe, Watte, Stoffen, Zelluloid und anderen
Produkten
weiter verarbeiten konnte. Die hochgiftigen
Rückstände
beunruhigten damals niemanden, sie wurden in die Ohe geleitet.
Am 12.08.1875 brannte die
Pappenfabrik zum ersten mal, wobei
offenbar die
mit der Fabrik verbundene Stau- und Triebwerksanlage zerstört
wurde. Am 21.08.1875 wurde die Bewilligung zur
Wasserausleitung aus der Großen Ohe für die Anlage
auf Ruf- und Widerruf neu erteilt.
Im Herrenhaus
der
Wildberger wurde vom 12. zum 13. Oktober 1878 der unbeliebte
Fabrikverwalter Brain
erschlagen und seine Frau schwer verletzt. Der oder die Täter
wurden nie gefasst. Auf
einem Felsvorsprung oberhalb des Herren- und
Verwaltungsgebäudes errichtete Wildberger seiner Frau Aloisia
Luise einen Ruheplatz mit Pavillon und gab ihm den Namen Luisenfels,
der
dann zum Ortsnamen wurde. Im Jahre 1879 verstarb H. Hofrat
Dr.
Wildberger. 1888 brannte
die Pappenfabrik zum zweiten Mal
nieder.
Wieder aufgebaut verkauften die Wildherger'schen Erben an Militzer
& Münch aus Hof und Selb, Spediteure der
Königl.
Bayerischen Staats-Eisenbahn. Geschäftsführer in
Spiegelau
war Jean Emil Porst.
Um 1880 wuchs der
Ort Spiegelau mit
Schwarzach,
List, Neuhammer und Luisenfels schnell auf 20 Wohngebäude mit
145
Seelen an.
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Unterer
Teil der
Zellstoff-Pappenfabrik aus der Steinklamm gesehen. Im Vordergrund das
Arbeiterhaus, Trocken- und Fertigungshalle. An steiler Felswand die
Eisenbahn | Ernst
Petzold jun.
kaufte 1889 die
Pappenfabrik sowie von Martin Heiß den
verbliebenen Grund und
die Gebäude mit Gasthaus und Anwandtner Säge, ebenso
die
Meiern-Stanglsäge. Außer der Errichtung der
Anwandtnersäge 1861 und Meiernsäge 1839 findet sich
kein
Eintrag in den Ortschroniken. Die erworbenen Fabrikanlagen wurden den
neuesten Erfordernissen angepasst. Eine moderne dreistöckige
Holzwarenfabrik entstand neben dem Gasthaus zur Steinklamm (Pension
Kempe). Laut Beschluss des Bezirksamtes Grafenau vom 19.08.1905
Nr.3558 war die Genehmigung zu einem Umbau der Anlage erteilt worden.
Der Umbau bestand u. a. in der Auswechslung des Wasserrades gegen eine
Turbine, jährliche Rekognitionsgebühr von 36 Mark.
Die Anlage hatte ein Nutzgefälle von 7 m und eine Leistung von
85 PS.
1894
Kommt eine Attraktion nach Spiegelau. Im Gasthaus zur Steinklamm wird
das Billardspiel
eingeführt.
Bis
1905 war die ganze Klammindustrie im Besitz von Ernst Petzold.
Unter
anderem wurden in den neuen und modernisierten Werksanlagen
außer
Brettern, Rundstäbe, Holzdraht, Jalousien, Garbenbinder und
vielerlei
Handwerks-, Haushalts- und Gebrauchsartikel hergestellt. Damit war auch
die Versorgung des Stammwerkes in Chemnitz gesichert, das
Drahtbürsten und Holzwaren aller Art herstellte.
Neben
der
Firma S. Zucker
Dampfsägewerk an der Schwarzach, galt damals
als
sehr wohlhabend die Firma
Ernst Petzold.
Petzold
unterstützte
mit
einem größerem Geldbetrag den
späteren evangelischen Kirchenbau und übernahm mit
Wildberger Bürgschaften über 10.000 Mark .
Ab
1910 ging die
Fabrik von Ernst Petzold an seinen Neffen Kommerzienrat Dr. Konrad
Wilsdorf über, aber
der Firmenname „Petzold" blieb. |
1923 Die
Inflation ist auf ihrem Höhepunkt und macht allen zu schaffen.
1 US-Doller ist jetzt 4,2 Billionen (4.200.000.000.000,00) ! Mark wert.
Der geschäftstüchtige Kommerzienrat Dr. Konrad
Wilsdorf hat eine gute Idee. Er lässt, wie viele
Firmen und
Gemeinden damals, eigenes Notgeld drucken und prägen. Damit
schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe. Er braucht sich
nicht mehr um die Beschaffung von Unmengen Geld für seine
Löhne zu sorgen. Und seine Arbeiter können ihren
Verdienst nur noch im betriebseigenen Laden ausgeben. So bleibt das
Geld im Haus.
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Im
gleichen Jahr brennt die Holzwarenfabrik Ernst Petzold jr.
(Inhaber: Dr.
Konrad Wilsdorf) ab und muss zeitweise schließen. 150
Beschäftigte verlieren
ihre Arbeit. Der oder die Täter werden nicht gefasst. Nach
einem Gerücht war es Hans Graf aus Langdorf.
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Nach
der
Verlegung der
Zellstoffherstellung in neue Hallen unterhalb des Bahnhofes
(Konservenfabrik Wölfl, heute Heimwerkermarkt Heibo), wurde
die
Pappenfabrik in Luisenfels stillgelegt. Trotz
Neuaufbau
wurden auch 1927/28 alle anderen Werke in Neuhammer und Luisenfels
aufgelassen und am Bahnhof Spiegelau ein Sägewerk errichtet.
In
den Petzold-Betrieben gab es um 1900 weit über 200
Beschäftigte ohne die Zu- und Versand-Spediteure. |
Die letzten
führenden Männer
der Fabrik waren:
Werkführer Riedl Hans,
Oberkreuzberg; Werkmeister Hans Graf aus Langdorf, (der auch
den Brand
aus Eifersucht 1923 gelegt haben soll); Sägemeister Schopf
Eduard; Kreissägemeister Bauer Hans, Gastwirt in
Oberkreuzberg und
Schmiedemeister Robert Uhlig, Spiegelau. | Wohnhaus
Uhlig ca. 1920 |
Wilsdorf
vermachte am 8. Juli 1943 das Sägewerk am Bahnhof dem
Bayerischen
Staat (Staatliches Sägewerk, Stilllegung 1999).
An der
Abzweigung
Kränkweg stand das Wohnhaus für Angestellte des
Staatl.
Sägewerks (um 1970 abgerissen). Ihre letzten Bewohner waren:
Sägemeister Benedikt Peterhansl, Platzmeister Albert
Döringer
und Werkschlosser Rudi Uhlig, Sohn des Robert Uhlig.
1922
riss man
bereits einen Teil der Pappenfabrik nieder, um Material für
den
600 m langen Wassertunnel (Stollen), der durch den Mühlnerberg
für das Elektrizitätswerk in Großarmschlag
gebaut
wurde, zu gewinnen. Auch private Hausbauer holten sich von der Fabrik
Ziegel. 1929 wurden die maschinellen Reste der Anlage ausgebaut. Das
von der Stromgesellschaft OBAG erbaute Wohnhaus für den
Wehrwärter ersetzte das 1928 abgebrannte Arbeiterhaus am
unteren
Ende der Pappenfabrik. 1928/29
baute Wilsdorf von der
Spiegelauer
Straßenbrücke links der Ohe zur Pappenfabrik in
Luisenfels
einen Oberwasserkanal mit Druckrohrleitung über die Felswand,
wozu
die Eisenrohre zu den Turbinen der stillgelegten Holzwarenfabrik
verwendet wurden. Der Kanal mit Rohrleitung blieb ein
Torso. Danach gab
es mehrere Interessenten zum Weiterbau. Auch das Staatl.
Sägewerk selbst
war an einer Fertigstellung des Luisenfelser Kraftwerkes interessiert.
Verkaufte jedoch am 14.03.1957 die Rohwasserkraft Luisenfels an die
Firma Josef Schuster OHG.
1958 errichtete Josef Schuster aus Spiegelau
das dazugehörige Turbinenhaus nach neuen, im Jahre 1949 ausgearbeiteten
Plänen des Ingenieurs Reindl.
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Schneedruck
2006 | Die
dreistöckige
Fabrikhalle neben dem Gasthaus wurde noch Jahrzehnte
von kleineren Firmen genutzt, z. B. von Heinz Kressl, der
nach dem
zweiten Weltkrieg noch einige Jahre mit ca. 80 Beschäftigten
Holzspielwaren
herstellte und danach von der Glasfabrik Spiegelau, die die Hallen
als Glaslager nutzte, bis der strenge Winter 2005/2006 mit seiner
Schneelast den Dachstuhl zum Einsturz brachte. Somit wurde das letzte
Gebäude der Klammfabriken Vergangenheit. |
Da
die evangelische Gemeinde Spiegelau durch die Zuwanderung von
Wildberger, Petzold, Wilsdorf, den Fabrikdirektoren Fischer, Pfeffer,
Porst und aus Sachsen, Thüringen und Schlesien zugewanderte
Lutheraner stark angewachsen war, beschlossen 7 Personen der
Klammfabriken, am 28.01.1900 im Gasthaus zur Steinklamm, alle
Protestanten der Umgehung zur Vereinsgründung einzuladen. Am
02.02.1900 wird der „Evangelischer Verein Spiegelau"
gegründet, mit dem Ziel eine Kirche zu bauen. Am
Reformationstag,
den 31.Oktober 1901 läuteten die Glocken zur Einweihung.
Da
Wilsdorf (Petzold) auch 1922/23 am Großarmschlager Kanal und
Elektrowerkbau beteiligt war, kam er durch die Geldentwertung
(Inflation) und angeblicher Veruntreuung durch seine Direktoren (?)
1928
in Konkurs. Wilsdorf kaufte danach einen Teil zurück, erkaufte
seinen Kraftwerksanteil von der Hypobank gegen tägliche 500 KW
Stromlieferung.
Erhalten
blieben von allen Neuhammer- und
Luisenfelsbetrieben: Hoch oben am Neuhammerweg die Petzold Villa, das
Gasthaus zur Steinklamm, wenn auch in umgewandelter Form, der Kanal mit
Eisenrohre des heutigen Schusterkraftwerkes, das Wildberger Herren- und
Verwaltungsgebäude (Pappenfabrik), das Wasserwehr mit
Bergkanal
und das Ergebnis des evangelischen Kirchenbauvereins, die
Martin-Luther-Kirche Spiegelau.
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Interessant ist ein Kostenvoranschlag
und Planung für Staatl. Sägewerk: Ausnutzung
der Großen Ohe in Spiegelau von Gebr.
Hallinger,
Ingenieurbüro GmbH München Febr. 1929 Speicherprojekt
f. Herrn R. Petzold, Spiegelau
Aus
Seite 1: Allgemeines: Das Steilgelände der
Großen
Ohe
(Schönberger Ohe) in Spiegelau wurde zwischen der
Straßenbrücke und dem neuen Wehr des Kraftwerkes
Großarmschlag in 5 Gefällestufen, der
Spiegelaumühle
(Wolfmühle genannt), in der Stanglsäge mit den 2
Stufen des
Werkes Petzold jr. und mit der ehemaligen Pappenfabrik Wildberger /
Luisenfels ausgenutzt. Diese am rechtsseitigen Ufer der Ohe
liegenden Werke, wurden seit mehreren Jahren nicht mehr betrieben,
weil der Zusammenhang mit dem Verkehr und die Rentabilität
für die kleinen Wirtschaftseinheiten fehlt. Die Stilllegung
hat
sich durch Einführung des Achtstundentages und durch
die Steigerung der Soziallasten und sonstigen industriellen Lasten von
selbst ergeben.
Aus
Seite 4: Die Stauanlage: Dafür
soll ein Erddamm unterhalb der Eisenbahnbrücke bei der
Stanglsäge
errichtet werden, der das Tal sperrt und das Wasser der Ohe um ca. 8 m
staut
Aus
Seite 9: Der Generator setzt die Wasserkraft in
elektrische Kraft,
in Drehstrom um, der mit einer Spannung von 5500 Volt mittels
Fernleitung nach der Pappenfabrik der Fa. J. Wildberger am Bahnhof
Spiegelau übertragen wird.
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Im
Mittelpunkt der früheren Fabrikanlagen steht seit 1968 die
Spiegelauer Kläranlage. Den Baugrund schenkte
Frau
Reinsberger aus
Schönberg der Gemeinde. Die Anlage wurde 2005/2006
auf den neuesten Stand umgebaut, so dass das Wasser am Wanderweg
Steinklamm
geruchsfrei wurde.
Das Gasthaus zur Steinklamm
wechselte sehr oft ihre
Besitzer. Die letzten Pächter waren Wirrer und Hartl. Familie
Heiß mit Sägewerk und Gasthaus zur Steinklamm, sowie
der
Fremdenpension mit Gasthaus zur Post in Spiegelau, waren um 1850 bis
1890 die größten Arbeitgeber in der Umgebung. Nach
dem
Verkauf ihrer Immobilien zogen sie sich als Brauereibesitzer nach
Oberkreuzberg zurück. Entweder ist die Familie verzogen oder
ausgestorben, da für ihr großes Grabmal am Nordrand
des
Oberkreuzberger alten Friedhofes 1969 keine Grabgebühren mehr
beglichen und von der Gemeinde an Familie Wolf verkauft wurde. Eine
Inschrift im Marmorteil des Grabmales „Unser liebes
Söhnchen
Johann Baptist Heiß geb. 25. Juni 1874. gest. 28. Juli 1874"
erinnert noch an die ersten Industriegründer in der Steinklamm.
| 
Wasserstollen der ehemaligen
Anwandtnersäge. Sichtbar beim Bau der
Kläranlage 2005. |
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Quellennachweis:
Nach
Niederschriften aus der Klingenbrunner Ortschronik, Evangelischen
Kirchenbauchronik, Glashütten Hilzchronik, sowie
aus
diesen Chroniken entstandene „Kleine Spiegelauer Geschichte"
von
Hermann Beiler.
Aus dem Archiv der Familie Klaus
Schuster,
Geschichtlicher Rückblick über die
Wasserrechts-Bescheide in
der Steinklamm von der Regierung Niederbayern vom 26.02.1960
Erzählungen meiner Vorfahren, Eltern und
Geschwistern, die
beruflich in den Fabriken tätig waren. | Käfersammler
und Autor dieser Chronik Fridolin
Apfelbacher
| Meine
Altvorderen in
Reihenfolge bis zum Großvater als Hammerschmiede
in Finkenhammer bei Vohenstrauß in der Oberpfalz. Als 1835
das Erz für
die Eisengießerei zu Ende ging und der Finkenhammer um 1840
stillgelegt
wurde, folgten Großonkeln und Großvater nach Jahren
ihrer
Arbeitswanderungen dem Ruf der Steinklammfabriken. Großonkel
Josef mit
Familie wohnte im Arbeiterhaus am Ende der Pappenfabrik und zuletzt auf
dem Krank. Großonkel Michael kaufte 1873 in Reuteck ein Haus,
das 1884
Großvater übernahm. Großonkeln und Tanten
verstarben hier oder gingen
mit ihren Familien zurück nach Vohenstrauß. Nur
Großvater Wolfgang
Apfelbacher blieb und wurde der Stammvater all mir im Umkreis bekannten
Apfelbacher.
Langdorf,
den 1. November 2006 |